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Felsenmeer

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Nici

Administrator

Beiträge: 1 957

Geburtstag: 23. August 1973 (41)

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Wohnort: Nauheim

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Sonntag, 23. März 2008, 15:30

Felsenmeer

Ort:
64686 Lautertal

Geschichte:
Die Riesensage aus Tal der Riesen – wie das Felsenmeer entstanden ist:
Einst, in längst vergangenen, sagenmächtigen Zeiten, als noch Riesen die wüsten Lande bevölkerten, lebten zwei der mächtigen Kolosse hier im Odenwald. Der eine links und der andere rechts unseres Tales, das ihre Riesenreiche von einander trennte. Felshocker, der mächtige Riese, zu dessen Reich der Felsberg gehörte, war ein prunksüchtiger Riese, mit Felspalast und allem was zu einem bequemen Leben gehörte. Sein Freund Steinbeißer dagegen, hauste auf dem Hohenstein und war mit wenig Luxus zufrieden. Liebte er doch die Pflanzen und Tiere und verbrachte Tag für Tag damit, den Dingen auf den Grund zu gehen. Diese beiden Riesen erlebten so manches Abenteuer miteinander. Aber eines Tages geschah, was auch uns Menschen so häufig geschieht wenn zwei zu lange alleine gewesen sind. Es wurde ihnen langweilig. Sie hatten ausgeschwätzt. So saßen sie des Abends vor ihrer Behausung, der eine auf dem Felsberg, der andere auf dem Hohenstein und wussten sich nichts mehr zu erzählen oder gar sich neue Dinge auszudenken, mit denen sie sich die Zeit vertreiben konnten. Steinbeißer konnte diese Langeweile kaum noch ertragen und er fing an zu jammern.

„Felshocker“ rief er, „Felshocker, mach was! Es ist nicht mehr zum Aushalten. Ich will etwas erleben, ich will Spaß haben, das Rumsitzen muss ein Ende haben.“

Und Felshocker, der ein einfallsreicher und innovativer Riese war, musste nicht sehr lange nachdenken, bis er einen Einfall hatte um der Langeweile den Garaus zu machen. Nach nicht einmal 10.000 Jahren war es soweit.

„Steinbeißer, rief er, „ich hab ihn, den Einfall, ich weiß jetzt wie wir uns die Zeit vertreiben können. Wir stellen Säulen aus Steinen auf und rollen dann mit Kugeln drauf! Du wirst sehn, das wird ein gigantischer Spaß“.

Steinbeißer war zuerst noch etwas skeptisch, als sein Freund anfing die Steine auf seinem gemütlichen Hohenstein durcheinander zu bringen und wusste auch nicht so recht, ob das nicht mehr Unordnung als Spaß in sein Reich bringen würde, aber er ließ seinen Freund trotzdem gewähren und wartete einfach mal ab, was passieren würde. Felshocker spaltete und schliff die riesigen Felsen, bis mehrere längliche Säulen entstanden, die er dann alle im Tal nebeneinander aufstellte. Dann suchte er einen passenden runden Stein, schliff die Kanten ebenfalls etwas nach und als er schön glatt und rund geschliffen war, gab er ihn an seinen Freund Steinbeißer weiter und meinte:

„Hier Steinbeißer, du hast den ersten Wurf, wer die meisten Säulen umwirft ist der Sieger.“

Steinbeißer nahm die Kugel, holte aus und schubste sie ins Tal in Richtung Säulen. Aber die Kugel blieb schmatzend im Sumpf stecken.

„So eine Saurierkacke“ rief Steinbeißer enttäuscht, „ich hab es ja gleich gewusst, die ganze Schinderei, alles für nichts. Und dabei haben wir uns so geschunden und geschufftet.

Er hatte wahrscheinlich schon wieder vergessen, dass er derjenige war, der die ganze Zeit nur skeptisch von der Seite zugeschaut hatte. Aber so war er nun mal der Steinbeißer. Felshocker nahm seinen Ausbruch daher auch ganz gelassen.

„Da muss eine neue Idee her, eine richtig riesenhafte Idee muss es sein, Eine die noch nie da gewesen ist.“ Nachdenklich legte er seinen Kopf zur Seite und es brauchte auch nur 100 weitere Jahre und er hatte einen neuen Einfall.

„Steinbeißer“ rief er, Steinbeißer, ich hab’s, wir bauen eine Brücke übers Tal. Eine Brücke vom Felsberg bis zum Hohenstein. Fest gemauert aus Steinen, damit sie nicht zusammenbricht. Und diesmal mein Freund, diesmal musst du zeigen, was in dir steckt! Steh auf Gefährte und hol schon mal die schönsten und gleichmäßigsten Steine, die du finden kannst und bring sie alle hierher. Wir fangen gleich an.“

Das wiederum passte Steinbeißer eigentlich gar nicht. Er hatte nämlich eigentlich überhaupt keine Lust zum Steine schleppen und das was Felshocker das vorschlug, das artete ja richtig in Arbeit aus. Das ging ihm eigentlich gegen den Strich. Da er aber vorher so dick aufgetragen hatte, blieb ihm nichts anderes übrig und er musste sich fügen. Also stapfte er brummelnd hinauf zum Hohenstein und fing an Steine zu sammeln.

Die Brücke wuchs schnell. Steinbeißer freute sich bald, dass alle Steine, die er beischleppte so schön aufeinander geschichtet wurden und dass die Brücke schnell Gestalt annahm und freudig arbeitete er immer weiter. Als die Brücke stand, fand er seine Arbeit als beendet und fing schon mal an, die Säulen aufzubauen und die Kugel in Position zu legen. Aber Felshocker hörte nicht auf. Mit koboldmäßiger Geduld setzte er hier noch einen Steinbrocken ein und dort noch einen und immer wieder kontrollierte er genau, ob auch alles richtig stabil war. Das sorgsame Arbeiten hatte er sich bei den Felsenmeerkobolden abgeschaut. Die arbeiteten auch immer mit Bedacht und was sie machten, das machten sie daher gut.

Steinbeißer wurde langsam ungeduldig. Er nahm die Kugel schon mal auf, warf sie in die Luft und fing sie wieder auf. Felshocker beobachtete es mit Sorge. Ahnte er vielleicht schon was kommen würde?

„Halt ein, rief er, halt ein, ein jeglich Ding braucht seine Zeit. Die Steine, sie müssen fest verankert sein.“ Aber es war zu spät. Entsetzt sah Felshocker, wie Steinbeißer Anlauf nahm und die Kugel sich in Richtung Brücke bewegte.

„Nein“ schrie Felshocker, nicht, die Brücke bricht“ aber die Kugel war nicht mehr aufzuhalten. Sie donnerte über die Brücke. Felshocker brachte sich mit einem Sprung in Sicherheit. Die Brücke ächzte, Pfeiler grummelten, Brocken platzten heraus und schon stürzte alles donnernd zu Boden. Felshocker war fassungslos.

„Dur Felsgesicht“ schrie er, „du Steinsgehirn, ich hau dir gleich die Knochen zu Brei.“ Und schon raste er hoch auf die Bergkuppe, schnappte sich einen Felsen und donnerte ihn hinüber auf den Berg, wo sein Freund stand. Dieser konnte sich gerade noch vor dem Fels in Sicherheit bringen.

„Hey“ schrie er, „was soll das, ich wollte doch nur Spaß haben.“ Und als Antwort warf er einen Stein zurück.

„Spaß haben, dass ich nicht lache, du kannst es einfach nicht lassen. Immer musst du alles kaputt machen.“ Und schon war Felshocker den nächsten Stein. So ging das bis alle Steine des Hohensteines auf dem Felsberg gelandet waren und die großen Brocken vom Felsberg auf dem Hohenstein. Dann standen sie sich gegenüber. Jeder hatte den letzten, den größten Brocken über sich. Wütend starrten sich die beiden an und mit einem riesigen

„Wooapp“, warfen sie die Steine fast gleichzeitig los. Diese trafen sich fast in der Luft und diesmal verfehlte keiner sein Ziel. So wurde Steinbeißer begraben unter dem großen Brocken des Hohensteins und Felshocker verschüttete unter einem riesigen Steinhaufen auf dem Felsberg.

Aber sie sind nicht tot, sie schlafen nur und wenn man abends, wenn alles ruhig ist, ins Felsenmeer geht und sein Ohr an einen Felsen hält, dann hört man sie schnarchen.

(Quelle: http://www.felsenmeer.org/)